"Der 1000-jährige Weg", wird der Jakobsweg auch genannt. Im Jahr um 830 soll einen galicischen Hirten eine Sternenerscheinung zum Grab des Heiligen Jakobus, Bruder des Apostels Johannes, geführt haben. Der soll nach dem Tode Christi in Spanien missioniert haben. Nach seiner Rückkehr nach Palästina wurde er von König Herodes geköpft. Auf wundersame Weise soll dann der Leichnam des heiligen Jakobus zurück nach Galizien gekommen sein, wo der König von Asturien und Leon an dessen Grabstätte eine Kircheerrichten ließ. Somit war der Grundstein von Santiago de Compostela, dem dritten Wallfahrtsort der Christenheit neben Rom und Jerusalem gelegt. Der Ruf des Apostelgrabes und die Taten des Heiligen Jakobus verbreiteten sich rasch in der christlichen Welt. Und da die Pilgerreise nach Jerusalem zu unsicher geworden war, wurde der Jakobsweg zu einem bedeuteten Pilgerziel. Für die Sicherheit der Pilger am Weg zum Apostelgrab sorgten früher u. a. diverse Ritterorden, wie zum Beispiel sie Santiago- oder Tempelritter. Schon über 1000 Jahre ist der Jakobsweg ein Weg der Gläubigen und Suchenden. Die Leylinien, Kraftadern in der Erde, die sich entlang des gesamten Jakobsweges ziehen, sollen dabei die Pilger unterstützen. 1993 wurde der Jakobsweg von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt und ist in neuerer Zeit auch unter Mystikern bekannt geworden. Er soll direkt unter der Milchstrasse liegend energieverstärkend wirken. Nach wie vor ist der Jakobsweg einer der beliebtesten Pilgerwege für Menschen allen Alters, Glaubensrichtungen und aus der ganzen Welt.
Oder ... Die Meinung des Heiligen Jakobus*
„Gerade in heutigen Tagen ist der Jakobsweg beliebter als je zuvor. Manche beschweren sich sogar schon und reden von einer Pilger Polonaise, die sich zu den Hauptzeiten am Weg bildet. Wenn dieses Jahr, das als ein sogenanntes Heiliges Jahr betrachtet wird, weil mein Namenstag auf einen Sonntag fällt, zu Ende ist, wird über eine viertel Million Pilger auf dem Jakobsweg, jeweils mehrere Wochen lang und hunderte Kilometer weit, unterwegs gewesen sein - Menschen, die im modernsten Zeitalter leben. Die glauben nicht ernsthaft daran, dass es Brathühner gibt, die plötzlich lebendig werden und vom Teller flattern. Und es ist ihnen auch nicht wichtig, ob meine Gebeine nun wirklich in der Kathedrale von Santiago de Compostela liegen, oder nicht. Wenn du heute den hundertprozentigen, unumstößlichen Beweis liefern würdest, dass ich nicht hier in Santiago de Compostela gewirkt hätte, würde das an den Pilgerreisen der Menschen nichts, aber auch gar nichts ändern. Ob der Weg nun eintausend Jahre alt ist, ob er noch auf der Originalroute verläuft, oder nicht, es wäre egal, denn die Menschen pilgern nicht wirklich zu mir, sie pilgern zu sich selbst. Und ob sie das auf dem Jakobsweg tun und ihr Ziel Santiago de Compostela heißt, oder ob sie nach Jerusalem, Rom, Lourdes oder zu den Pyramiden der Maya in Mexiko pilgern, es ist egal. Einzig wichtig ist, dass sie sich auf den Weg zu sich selbst machen, denn das ist der einzig richtige. Es gibt einen Spruch unter den Pilger, der lautet: Der Jakobsweg beginnt vor der eigenen Haustüre. Also ganz ehrlich – er könnte dort auch sofort wieder enden. Von mir aus müsste sich kein einziger Pilger hunderte Kilometer auf den Weg machen. Wenn er die richtige Motivation hätte, sich selbst zu suchen, könnte er auch aus seiner Haustüre heraus, einmal um sein Haus herum, und gleich wieder hinein gehen. Aber das verstehen sie noch nicht. Und darum gibt es den Jakobsweg, Weihnachten, Ostern, die Bibel und meinen guten Freund Jesus.“
*Textauszug aus „Smile – with Love / Lächle mit Liebe“ Taschenbuch mit 142 Seiten vom Verlag Jakobsweg live unter der ISBN 9783000330001 |