jakobsweg-muschel

Willkommen, Gast
Benutzername: Passwort: Angemeldet bleiben:

THEMA: Tag 4 meiner Reise... ein Auszug

Tag 4 meiner Reise... ein Auszug 11 Jahre 2 Monate her #12

Kurz vor Mittag machte ich Rast in Arres, wo ich mich noch mal mit Wasserproviant versorgte, denn der nächste Ort mit Wasserversorgung und zugleich mein heutiges Tagesziel war fast zwanzig Kilometer entfernt. Es begegneten mir auf dieser Strecke nur zwei Bauern mit ihren Hunden und eine junge Frau mit Rucksack, die in entgegengesetzter Richtung unterwegs war. Die abgeernteten Getreidefelder des Aragontales, das ich durchschritt, reflektierten immer stärker die Sonnenstrahlen und so kam es, dass mein Wasservorrat langsam zur Neige ging. Ich hatte zwei Flaschen Wasser und eine Dose Isodrink dabei. Davon war nur noch ein kleiner lauwarmer Rest übrig. Ja, mein Reiseführer hatte empfohlen, reichlich Wasser mitzunehmen, aber wer glaubt schon ernsthaft, dass man zwanzig Kilometer lang nichts Flüssiges auftreiben kann?
Dazu passend änderte sich nun die Umgebung. Anstatt durch die Getreidefelder führte der Weg nun durch eine mondähnliche, graue Hügellandschaft. Auf einem weit entfernten Hügel leuchteten die weißen Häuser eines kleinen Dorfes und ich dachte schon, mein Wasserproblem sei gelöst. Doch der Weg führte mich weg von diesem Ort. Das war noch nicht das Ziel.

Die grauen Hügel sahen nicht sehr einladend aus und nachdem ich den letzten Schluck warmen Wassers getrunken hatte, spürte ich ein ungewohntes Gefühl – ich hatte Durst. Spontan kam mir das Bild meines Kühlschranks zu Hause vor Augen, den ich öffnete und mir etwas Kühles herausnahm. Der Weg schien nicht enden zu wollen und die Sonne brannte. Ich war sauer. Heute war Sonntag. Zu Hause lagen alle gemütlich im Garten und ich Blödmann latsche hier ohne Wasser durch die Pampa.
„Un Aqua, porfavour!“ schrie ich in die Landschaft. Keine zwanzig Meter weiter hörte ich Wasser plätschern. Ich blieb stehen, konnte aber nichts entdecken. „So fühlt es sich also an, wenn man Halluzinationen hat,“ sagte ich laut. Aber das Plätschern war immer noch da. Langsam ging ich in dessen Richtung und entdeckte hinter einem Busch ein dünnes, schwarzes Plastikrohr, das aus dem Hügel kam und frisches kühles Wasser führte. Wie sensationell einfaches, kaltes Wasser schmecken kann. Ich fing laut zu lachen an.
Dieses Thema wurde gesperrt.
Ladezeit der Seite: 0.034 Sekunden