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Jakobsweg in Reimen

Jürgen Pflug ist den Jakobsweg in Frankreich und Spanien mehrfach gewandert. Er hat dabei, wie viele Pilger, ein Tagebuch geführt. Die große und einzigartige Ausnahme hierbei ist, dass Herr Pflug mit einem Augenzwinkern seine Erfahrungen in Reimen festgehalten hat.

Einen kleinen Auszug aus seinem „Jakobsweg in Reimen“ stelle ich Ihnen hier als Kostprobe zur Verfügung.

Viel Spaß und Freude !

Manche Pilger rennen wie die Hasen,
wenn sie an dir vorüber rasen.

In Turnschuhen und mit kaum Gepäck,
überholen sie dich - und sind dann weg !

Wahrscheinlich gibt ´s für die Kanaillen
dort in Santiago auch Medaillen !

Bist in der Herberg´, kann ´s gewittern,
nur unterwegs, da musst du zittern.

Am frühen Abend, gegen fünf,
da macht sich jeder auf die Strümpf´ :

Wer später kommt, bestraft das Leben
in Spanien hier in Form von Regen !

Am nächsten Morgen hörst es tropfen,
den Regen auf das Pflaster klopfen.

Das schöne Spanien, Land der Sonne,
versinkt in einer Regentonne.

Sankt Jakob, ist das nicht gemein ?
Sag Petrus, ich will Sonnenschein !

Kaum wird die Bitte dir erhört, das bisschen Sonn´ schon wieder stört !

Wir Menschen sollten dankbar sein,
für Regen und für Sonnenschein.

Nie würden wir uns einig werden
über ´s beste Wetter hier auf Erden !

Für mich war ´s nie ´ne Glaubensfrage,
ob ich 2 Stöcke mit mir trage.

Sie sind in ´n Bergen wohl bequem –
ich konnte auch ohne sie gut gehen !

Doch leider fällt ´s nicht ins Gewicht,
ringt man sich durch zum Stockverzicht !

Wenn doch der Weg ein Ende fände
durch Burgos´ Industriegelände !

Bevor das Zentrum ich erreiche
geht ´s noch durch Neubaustadtbereiche.

Die Sonne scheint und scheint und scheint,
weil sie ´s ´mal wieder gut heut´ meint.


Der Durst ist groß, die Flasche leer :
„Ich schaffe es heut´ bestimmt nicht mehr !“

Dann ändert sich das Bild komplett –
du liegst geduscht auf deinem Bett !

Der Tag hat dich nicht hingerafft ,
du hast es wieder ´mal geschafft !

Nach so viel Vorstadt-Lauferei
nahm ich mir ´n Tag in Burgos frei !

Eine helle, eine saubere Stadt,
die jedem was zu bieten hat.

Dort konnten sich dann meine Sohlen
bei sehr viel Blasmusik erholen !

 

Wer mit Blasmusik den Herren preist
war aus ganz Spanien angereist.

Erst spielte jede Gruppe vor
und dann der ganze Bläserchor !

Bei so viel Hörnern und Trompeten
waren Hörgeräte nicht von Nöten !

Ein Mann, wie er hier zu sehen ist,
ist sicher Individualist.

Er braucht keinen Saal, sucht kein´ Applaus,
er setzt sich hin und zieht sich aus,
lässt seine Flöte leis´ ertönen,
während in der Stadt Posaunen dröhnen !

In Burgos sind die Nächte laut,
denn eng die Gassen und hoch gebaut.

Und da man feiert jede Nacht,
wirst du so um den Schlaf gebracht !

Von der Siesta einmal abgesehen
gilt stets Phonstärke 110 !

 

In ihrem schönen Gotteshaus
sieht Jakob wie ein Mörder aus,
weil er für Gott und Spanien streitet
und brutal ´n paar Mauren niederreitet.

Die Frage wird man mir verzeihen :
Soll das der wahre Jakob sein ?

Wer rechnet schon auf Jakobs Wegen
mit starkem Gegenwind und Regen ?

Stets unterkühlt, mal nass, mal Sonne –
da ist das Wandern keine Wonne !

Am nächsten Morgen lag ganz kokett
die Angina mit in meinem Bett !

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