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Der Jakobsweg in Spanien - Estella

 

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Wegzeichen am Jakobsweg

 

Puente la Reina / Estella – Lizarra

 Das Geraschel und Gewusel am frühen Morgen kannte ich ja bereits. Nur diesmal war es mir echt egal. Sollten die Freunde nur ruhig packen und sich für den Weg rüsten.

   „Ich habe heute frei!“ rief ich aus meinem Bett in den Raum hinein. Ich erntete nur ein paar müde Blicke – nicht mehr. Toni lag auch noch in seinem Schlafsack. Er sah wieder mal nicht so gut aus. Die Scheiben der Fenster waren beschlagen. Es war kalt gewesen diese Nacht und ich konnte noch nicht nach draußen sehen. Das Bett neben mir war frei geblieben und so legte ich hier die Dinge zusammen, die ich, oder besser gesagt, die wir gestern aus meinem Rucksack aussortiert hatten.

   Wir frühstückten zusammen sehr ausgiebig und die Herberge leerte sich langsam. Von meinem Platz aus konnte ich beobachten, wie ein Pilger nach dem anderen vor die Tür trat, gegen den starken Wind ankämpfte, und sich auf den Weg machte. Fast alle hatten ihre Regenponchos auf, denn es regnete – wenn auch nur sehr leicht. Sie sahen dabei aus wie große Teletubbies in rot, schwarz, grün oder blau in ihren Umhängen, die bis über die Knie reichten. Monica und ich standen als letzte auf und gemeinsam gingen wir ins Zimmer.

   Es folgte eine große Abschiedsszene mit zahlreichen Umarmungen und den besten Wünschen für den Camino. Als letzte stand Monica vor mir. Ich hatte einen Klos im Hals und ich glaube, sie auch. Ohne ein Wort zu sagen umarmte sie mich, griff nach ihrem Rucksack und ging hinaus. Ich stand da und fühlte mich allein. Ich horchte, hörte nichts mehr und registrierte: ich war allein! Ich ging in den Flur. Das ganze riesige Refugio war leer, alle weg. Doch plötzlich hörte ich schnelle Schritte. Bruno lief auf mich zu und reichte mir seinen Pilgerstab.

   „Den brauch` ich ja jetzt nicht mehr. Er soll dir Glück bringen, “ sagte er und genau so schnell wie er gekommen war, lief er auch wieder davon. Ich hatte nicht einmal die Möglichkeit, mich richtig zu bedanken. Die Tränen standen mir in den Augen. Man sagt, dass man sich seinen Pilgerstab nicht einfach so kauft, sondern dass man irgendwie von ihm angesprochen wird. Der Pilgerstab ist etwas ganz, ganz besonderes und dieser sechzehnjährige Junge hatte keine Ahnung, welche tiefe Freude er mir damit gemacht hatte.

   In aller Ruhe packte ich meinen Rucksack zusammen, was sich nun, da so viele Dinge nicht mehr hinein gehörten, viel einfacher gestaltete. Ich betrachtete die Dinge, die nun aussortiert waren, es mussten gut drei Kilo sein, als ich wieder Schritte auf dem Flur hörte. Ralph schaute ins Zimmer.

   „Was machst du denn noch hier? Warum bist du noch nicht raus?“ Seine Stimme klang erstaunt und etwas lautstark.

   „Ich dachte, ich bleibe mal hier heute. Das Wetter soll ja schlecht werden.“ Meine Worte kamen aber wohl nicht so richtig bei ihm an.

   „Wie bitte? Was glaubst du, was das hier ist? Ein Hotel, oder was? Und du? Du bist ein Pilger! Pack` deinen Kram und verschwinde hier.“

   Seine Augen wurden immer größer und ich realisierte, dass das jetzt ein echter Rauswurf war. Ich hatte mich von dieser Anlage echt täuschen lassen. Auch wenn es richtig gemütlich und einladend war, es ist und bleibt eine Pilgerherberge. Und in der darf man als Pilger eine Nacht bleiben. Eine!

   „Was sind das hier für Sachen?“ fragte er mich deutete auf meine Hinterlassenschaft.

   „Oh. Die Sachen brauche ich nicht mehr. Willst du sie haben?“ antwortete ich. Seine Gesichtszüge wurden wieder freundlicher.

„Das ist sehr gut. Wir haben hier eine Kammer, wo wir solche Sachen aufbewahren und Pilger, denen etwas fehlt, kostenlos mit allem Möglichen versorgen. Pack` aber jetzt deine Sachen zusammen.“

   Als ich an seiner Theke vorbeikam, spendierte er mir noch einen Kaffee und wies mich dann, mit seinen besten Wünschen, zu gehen. Ich trat vor die Türe, wo mir der Wind ins Gesicht blies, aber der Regen hatte aufgehört. Ich blickte zum Himmel und erkannte sogar blaue Stellen. Ich streifte mir den Rucksack auf und – hey – war das ein Unterschied! Ich hatte den Eindruck mehr als nur drei Kilo weniger zu tragen.

   Ich nahm meinen neuen Pilgerstab, begrüßte ihn mit der Bitte, er möge mich ab heute treu begleiten und schritt voran wie ein richtiger Pilger. Jeden Tag, an dem ich bisher gestartet war, war es immer ein tolles Gefühl wieder unterwegs zu sein.

   Aber an diesem Morgen war es ganz besonders schön und die Freude, gerade hier zu sein, besonders groß. Ich war schnell unterwegs. Die fehlenden Kilos in meinem Rucksack machten sich sehr positiv bemerkbar. Dadurch, dass ich recht spät gestartet war, traf ich ausschließlich fremde Pilger auf dem Weg.

   Er führte entlang durch schöne Weinberge, die gesäumt waren von Brombeerhecken, die sich teilweise über hunderte von Metern erstreckten. An einer besonders ergiebigen Stelle kam ich mit zwei Schwestern aus Kiel ins Gespräch.

   Estella„Ist das nicht herrlich“, schwärmte die eine, „ man braucht nur die Hand auszustrecken und Gott ernährt einen.“ Gut, das war eine Einstellung, über die ich noch nicht nachgedacht hatte.

   „Gestern hatten wir in einem kleinen Ort nach einem Cafe` oder Restaurant gesucht, aber alles war zu. Als wir eine ältere Dame im Ort gefragt hatten, wo wir etwas zu essen finden können, ging diese in ihr Haus, und bat uns nach ein paar Minuten hinein. Sie führte uns in die Küche, wo der Esstisch für uns gedeckt war.“ Bei diesen Worten zitterte ihre Stimme.

   „Die Menschen hier sind so liebevoll und freundlich“, sagte sie. Die beiden waren schätzungsweise um die dreißig Jahre alt und schienen sehr religiös zu sein. Sie hatten sich nach dem plötzlichen Tode ihrer Mutter auf den Weg gemacht.

   „Wir kehren in jedes Gotteshaus ein und beten dort.“ Ihre Augen strahlten vor Glück und ich fragte mich, wo da die Trauer über den Verlust der Mutter war. Wir hatten nur ein kurzes Gespräch, aber ich vermute, dass sie den Jakobsweg nutzten, um sich auf diese Weise von ihrer Mutter zu verabschieden.

   Nach einem kurzen Anstieg kam ich in einem kleinen Dorf an einem Obstladen vorbei und beschloss, mich mit frischen Vitaminen einzudecken. Ich schaute mich um und entdeckte – Heike.

   „Was machst du denn hier?“ war meine blöde Frage, die ich sofort bemerkte, „ klar, Obst kaufen.“ Heike grinste und erzählte, dass der Rest ein paar Meter weiter oben im Ort eine Pause machte. Sie waren als Gruppe nicht wirklich schnell gewesen. Alleine kommt man meistens schneller voran, erst recht, wenn einem ein paar Kilo Last genommen waren. Wir kauften Obst ein und gingen zusammen eine enge, steile Gasse hinauf, an deren Ende wir von der Gruppe lautstark begrüßt wurden.

Obwohl wir uns erst vor gut fünf Stunden voneinander verabschiedet hatten, war es wie eine kleine Wiedersehensparty. Wir beschlagnahmten eine kleine Holzbank und hatten gemeinsam ein wunderschönes Mittagsmahl. Jeder stellte sein Essen oder Trinken in die Mitte der Runde und alle bedienten sich durcheinander. Ich schaute in die Runde – hier saßen richtige Freunde zusammen.

   Die beiden Schwestern kamen an uns vorbei und grüßten mich nett. Monica schaute mich fragend an, doch ich zuckte nur mit den Schultern. Heike wollte wissen, wie es nun mit dem leichteren Rucksack für mich sei.

   Estella„Ein riesiger Unterschied“, sagte ich, „ich bin auf ebener Strecke jetzt sehr schnell, was ihr ja wohl gemerkt habt, denn ich hab euch ja eingeholt.“ Als wir aufbrachen, deutete Monica wortlos auf meinen Pilgerstab.

   „Bruno“, sagte ich leise und sie nickte lächelnd.

   Der starke Wind von heue morgen hatte sich verzogen. Die grauen Wolken wichen immer mehr blauen Flecken am Himmel und es wurde wärmer. Die Gruppe zog sich etwas auseinander und Pärchen bildeten sich. Ich ging zusammen mit Monica. Das heißt, ich ging ihr hinterher. Sie war mir irgendwie immer einen Schritt voraus.

   Das Wetter wurde richtig angenehm. Das Leben bestand aus wandern. Immer in eine Richtung durch eine hügelige Landschaft mit Getreide- und Weinanbau. Jeder schritt in seinem Tempo voran, und dieses Tempo schien für die ganze Gruppe in etwa gleich zu sein. Wir verloren uns den ganzen Tag nicht aus den Augen. Immer wieder trafen wir uns während einer Pause oder an einem besonders schönen Ort, um zu verweilen.

   „Dass das Leben so unbeschwert sein kann“, dachte ich mir, „ hätte ich nie gedacht.“ Es war eine traumhafte Erfahrung.

   EstellaAls wir mal wieder alle beisammen wanderten, stimmte Monica ein spanisches Kirchenlied an. Sie hatte eine schöne, helle und klare Stimme. Einige stimmten mit ein und ich bekam eine Gänsehaut. Es war wie eine Prozession von Freunden, die ein und dasselbe Ziel hatten und dabei den Augenblick genossen und fast schon zelebrierten.

   Wir rasteten an den zahllosen, reichlich behangenen Brombeerbüschen und gaben aufeinander acht. An einem kurzen, aber reichlich steilen Aufstieg blieb ich ein wenig zurück und schnaubte ganz ordentlich. Da entdeckte ich Heike, die auf mich gewartet hatte. Sie stand da und tat so, also würde sie mich an einem Seil zu sich hochziehen.

   Eine dieser Gesten, die wortlos geschahen und so sehr zu Herzen gingen. Nachdem ich zusammen mit Heike die anderen wieder eingeholt hatte, machten sie Rast auf dem Kinderspielplatz eines kleinen Dorfes. Toni hatte Brot, Käse und Wurst eingekauft und so setzten wir uns zu einem weiteren gemeinsamen Mahl zusammen.

   Nach dem Essen suchte sich jeder einen Platz zum Ausruhen. Heike hatte begonnen, ihrem Freund die Füße zu massieren. Toni hatte sich auf den Rand des Brunnens gelegt, seine Füße im kalten, klaren Wasser. Monica hatte auf einer Schaukel Platz genommen und wippte vor sich hin.

   Das spanische Paar zündete Räucherstäbchen an und machte über den MP3 - Player des Handys Meditationsmusik an. Monica wurde jetzt auch massiert und ich setzte mich vorsichtshalber schon mal neben sie auf die noch freie Schaukel. Nach einer kleinen Weile des Schaukelns und Wippens stand dann Heike hinter mir und verpasste auch mir eine leichte Massage.

   „So oder so ähnlich muss es im Paradies zugehen“, dachte es in mir, denn bewusst konnte ich nicht mehr denken. Ein so starkes Gefühl der Zufriedenheit, ja, Liebe durchströmte mich, dass ich gar nicht reden wollte. Nur der ein oder andere Grunzlaut entwich mir. Nachdem auch Toni seine Massage bekommen hatte, wollten wir uns wieder aufmachen. Aber das fiel uns allen schwer. Dieses schwere, fast meditative Zufriedenheitsgefühl hatte die ganze Gruppe eingenommen.

   Die ganze Zeit war fast kein Wort gefallen. Wir sahen uns nur lächelnd an, und wussten genau, wie es dem anderen gerade ging. Ein so tiefes Verständnis ohne Worte hatte ich noch nicht erlebt

   Sehr langsam kamen wir wieder auf den Weg. Monica grinste neben mir her.

   „So etwas Schönes habe ich auf dem Camino noch nie erlebt“, sagte sie und ich konnte nur mit einem Nicken zustimmen. Monica setzte wieder zu ihrem strammen Wandertempo an und entfernte sich einige Meter von mir. Ich hatte oft den Eindruck, dass sie das tat, um alleine zu sein und nachzudenken. Das tat ich auch.

   Wenn es hier auf dem Jakobsweg immer so zuging, wenn man hier immer so liebe, herzliche Menschen kennen lernt, und mit ihnen so besondere Momente erlebt, dann musste mir aber mal jemand einen Grund nennen, den Jakobsweg wieder zu verlassen. Und ich war erst den neunten Tag unterwegs.

   EstellaIn einem Ort namens Cirauqui fanden wir Toni vor einer kleinen Kirche, der Iglesia San Roman. Vor der Kirche befand sich eine mannshohe Statue mit einer Art Bischofsmütze auf einem Sockel. Diese Figur hatte es Toni angetan. Er wollte unbedingt von uns neben der Figur auf dem Sockel fotografiert werden. Ich erkannte, dass wohl nicht jeder in unserer Gruppe religiös veranlagt war, denn auch die anderen machten sich einen Spaß aus der Aktion. Außer Monika. Sie wandte sich ab und wartete auf dem Hauptplatz auf uns. Toni stand auf dem Sockel und ahmte die Geste der heiligen Figur nach. Mir wurde nun auch unwohl.

   Es handelte sich um ein kirchliches Relikt. Diese Figur bedeutete ganz sicher etwas Besonderes und ich dachte darüber nach, was wohl die Einwohner dieses Ortes denken würden, wenn sie das sehen könnten. Wir waren allerdings alleine hier. Toni setzte dem Heiligen jetzt auch noch seine Sonnenbrille auf, was zugegebener maßen wirklich cool aussah. Aber nun weigerten sich auch die anderen, hier noch mit zulachen und machten sich wieder auf den Weg.

   Monica zog mich regelrecht hinter sich her und so erreichten wir am späten Nachmittag unser Tagesziel Estella und steuerten gleich die erste Pilgerherberge an. Wir wollten für uns und den Rest der Gruppe die Betten klarmachen. Aber die Herberge war voll. Die nächste im Ort hatte gerade mal noch drei Betten frei.

   Monica telefonierte mit den anderen, die den Ort noch gar nicht erreicht hatten. Sie wollten sich Zeit lassen und eine andere freie Herberge suchen. Also quartierten wir uns hier ein. Wir bekamen einen Raum mit nur vier Betten, reiner Luxus. Ein Bett war belegt, aber es war niemand in dem Zimmer. Ich wollte so schnell wie möglich unter die Dusche und Monica suchte eine Gelegenheit, unsere verschwitzte Wäsche zu waschen. Unsere – ja! Was für ein Tag.

   Nachdem ich wieder ins Zimmer kam, unterhielt sich Monica mit unserem Zimmergenossen, einem jungen Holländer. Er war mit dem Fahrrad unterwegs und wollte von Monica wissen, welchen Weg er denn von hier aus am besten nehmen solle. Sie konnte ihm da nicht ganz helfen und warf mir einen etwas verwunderten Blick zu. Ein Holländer mit dem Rad in Spanien unterwegs und weiß den Weg nicht – kann es ein härteres Schicksal geben? Auf dem Weg in den Ort versuchte ich Monica die Vorurteile der Deutschen gegenüber den Holländern zu erklären. Ich sprach von Fußball, Frau Antje, rollendem Käse und Wohnwagenkolonnen und sie kam bis in die Altstadt von Estella nicht mehr aus dem Lachen heraus.

   Als wir am Hauptplatz ankamen, schritten wir mitten durch eine Hochzeitsgesellschaft, die sich vor der Kirche aufgebaut hatte. Wir passten mit unserer leichten und lässigen Pilgerausgehkleidung mit Schlappen an den Füssen nicht so wirklich zu den fein gemachten Hochzeitsgästen. Unter ohrenbetäubenden Böllerschüssen, die von einem Regen von buntem Konfetti begleitet wurden, kam das Brautpaar aus der Kirche – direkt auf Monica und mich zu. Jetzt spurteten wir aber aus der Menge heraus und suchten uns ein ruhiges Cafe` am Rande des Platzes.

   Es war kurz nach halb sechs Uhr und ich hatte einen riesen Hunger. Aber das sollte man in Spanien zu dieser Zeit nicht haben. Estella war eine mittelgroße Stadt – nur daran sollte es nicht liegen. Die Spanier pflegen eine sehr eigenwillige Esskultur. Im Prinzip kann man sagen, dass sie im Gegensatz zu uns Deutschen alle Mahlzeiten um etwa zwei bis drei Stunden nach hinten schieben. Frühstück um fünf oder sechs Uhr? Vergiss es!

   Ab neun Uhr kannst du deinen ersten Kaffee haben. Mittag erst ab vierzehn Uhr und folglich gibt es abends erst ab zwanzig Uhr was zu futtern. Und die Spanier sind da stur. Wenn du früher in ein Restaurant gehst und nach dem Menü fragst, wirst du ungläubig angesehen.

   „Was? Jetzt Essen? Nein! Da kommen Sie mal in zwei Stunden wieder.“

   Nicht gerade touristenfreundlich. Und schon gar nicht pilgerfreundlich. Wir Pilger müssen ja doch meistens gegen zehn Uhr abends in die Herbergen. Wenn du dich da um acht Uhr zum Essen hinsetzt, und es schmeckt ja alles wirklich sehr lecker, bist du um neun abends fertig und voll gegessen. Und gerade mal eine Stunde später liegst du mit vollem Magen in der Koje.

   Genau das erklärte mir Monica gerade ausgiebigst, als sie plötzlich inne hielt und wie wild zu winken anfing. Am anderen Ende des Platzes hatte sie unsere Freunde entdeckt. Sie hatten in der dritten und letzten Pilgerherberge freie Plätze gefunden. Nach einer gemeinsamen Runde Kaffee, bei der Monica mir alle Beilagenkekse zuschob, machten wir uns auf, um ein schönes Restaurant zu suchen.

   Mein Magen hing fast auf dem Boden. Mitten auf einem schönen Vorplatz fanden wir einen großen Tisch und bestellten uns drei große Paellas, aus denen wir uns genüsslich bedienten. Jetzt ging es mir wieder richtig gut.

   Monica besprach mit den anderen etwas auf Spanisch. Sie machte ein trauriges Gesicht.

   „Ab morgen werden wir beide alleine weiter gehen müssen“, sagte sie zu mir. Peter, Heike, Toni und das spanische Paar hatten für ihren Jakobsweg nicht so viel Zeit wie ich. Zudem wollten Peter und Heike einen Verwandten in Madrid besuchen. Also zerteilte sich morgen unsere Gruppe. Sie hatten sich entschlossen, morgen früh mit dem Bus nach Pamplona zu fahren und von dort aus weiter mit Bus oder Flugzeug ihren Weg fortzusetzen. Plötzlich war die gute Stimmung weg.

   „Aber Monica bleibt mir ja erhalten“, dachte ich. Wir beschlossen alle in eine Bar zu gehen, um Abschied zu feiern. Peter und Heike wollten uns dazu einladen. Es folgte ein etwas gebremst ausgelassener Abend, der damit endete, dass wir uns auf der Straße in den Armen lagen und uns voneinander verabschiedeten. Monica und ich gingen langsam und schweigend zurück in unsere Herberge.

 

Auszug aus "1000 Kilometer auf dem 1000-jährigen Weg" - Taschenbuch und DVD